Donnerstag, 26. Juni 2008

Ein Land mit Gesicht

Ein Land könnte, so glaube ich, noch so schön sein. Doch was bleibt dir davon längerfristig in Erinnerung? Die schönen Strände, Wälder, die Sonnenuntergänge? Dafür machen wir die Fotos, klar. Doch was wirklich bleibt und tief greift sind für mich die Begegnungen mit den Menschen.
Estland war bisher traumhaft, malerisch, doch seit wir einen echt lustigen Abend mit zwei Estinnen und vier Esten verbrachten, hat das Land ein ganz anderes Gesicht bekommen.
Sein Name wird künftig in meinen Ohren ganz anders klingen, viel vertrauter.

Da es an diesem Tag in Strömen regnete, fuhren wir die 70 km ohne grössere Pause durch. Alle 10 km hielt ich an, um Erika und mich mit einem Keks zu füttern. Bloss schnell weiter, bevor einen die Kälte einholt (meine teure Regenhose hielt leider nicht stand - sch... Goretex!).
Am Ende der Insel angekommen, erkundigten wir uns nach der Fähre für den nächsten Tag und gönnten uns ein Essen im Restaurant. Hmmm, war das lecker (glaube ich zumindest, denn sie hätten uns in dem Moment mit jedem warmen Essen eine Freude gemacht...).
Auf dem Camping angekommen erfuhren wir von einem Esten, dass er voll sei. Wir lachten, denn kein einziges Zelt stand weit und breit. Voll war nur die ausgebaute Windmühle und der Holzturm, in dem sich ebenfalls vier Betten befanden - allerliebst.
Das Angebot, dass sie die Mühle für uns räumen würden lehnten wir dankend ab, echte Gentlemens : ) Das Angebot für die kleine Party nahmen wir jedoch gerne an.
Essen wurde aufgetischt, jeder brachte was er hatte. Verständigungssprache war englisch, obwohl ausser Erika niemand besonders viel konnte, umso witziger...
So wird mir die angebotene Gurke auf ewig als "green saucice" (grüne Wurst) in Erinnerung bleiben ; )
Die Besitzerin, eine sehr symphatische Frau, brachte uns noch in einer 2Liter Tasse von ihrem Hausbier und obwohl es mehr oder weniger nach Hefewasser schmeckte, war es etwas ganz besonderes und wurde feierlich rumgereicht.

Als wir um 2 Uhr noch auf den Turm stiegen, um unsere Namen ins Gästebuch einzutragen und die Aussicht aufs Meer zu geniessen, war der Horizont immer noch mit einem hellen Streifen verziehrt. Ich glaube, den sieht man die ganze Nacht, denn als wir um halb acht wegen der Fähre bereits wieder aufstehen mussten, stand die Sonne schon wieder hoch am Himmel.
Nun sind wir wieder auf dem Festland und werden morgen Tallinn erreichen.