Mittwoch, 28. Mai 2008

Landschaften in Polen, Krakau





Fremdes Land, fremde Leute

Zelten in fremdem Garten, Trinec aus sicherer Entfernung, einer von vielen Stoerchen in Polen,
Idyllisches Nachtlager am Stausee






Der letzte Teil Tschechiens dauerte doch noch länger als angenommen, so tauchten doch plötzlich nochmals 100 Kilometer auf, da sich die vermeintlich tschechisch-polnische Grenze als Naturschutzgebiet herausstellte..
Der letzte Tag in Tschechien verlief ganz und gar nicht nach Planung. Wir standen sehr früh auf, denn wir wollten es heute bis Polen kommen. Um die Mittagszeit mussten wir jedoch einsehen, dass es kaum zu schaffen war, wir pedalierten dennoch kräftig weiter, Ziel war ein Camping nahe der Grenze.
Nach 100 km und 1000 Höhenmeter kamen wir müde an, doch der Camping existierte nicht...
Nun fuhren wir in die nächste Stadt (Trinec) und was uns hier erwartete war echt bedenklich.
Man stelle sich eine Stadt mit engen Strassen vor, durch die sich wütend die PKWs und Lastwagen zwängen. Man stelle sich mehrere Brücken über den Köpfen vor, auf denen sich rostige Wagons quietschend und donnernd, schier unermüdlich vorwärts schieben... Gestank, Lärm von allen Seiten, schmutzige Pub's, rauchende Fabriken. Und nun stelle man sich vor, man müsste hier bleiben, arbeiten, leben...
Eine Pension fanden wir zuerst nicht, bis wir von einem freundlichen Herrn zu einem Hotel geführt wurden. Es war riesig und von aussen betrachtet heruntergekommen und ausladend, so staunten wir nicht schlecht über den hohen Preis, den wir nicht zu bezahlen bereit waren.
Mir war richtig schlecht, denn ich hatte vom langen Suchen bereits einen ausgewachsenen Hungerrast und nachdem ich gierig Brot und Käse runtergeschlungen hatte, sah alles schon wieder etwas rosiger aus. Nun konnte ich mich auch langsam mit Erikas Vorschlag von vorhin, nämlich irgendwo das Zelt aufzuschlagen, anfreunden. Dass dieser Moment kommen würde, dass irgendwann keine Dusche und kein WC mehr gleich um die Ecke stehen würde, dass war mir ja klar, doch nun kam dieser Moment so unerwartet, so plötzlich...
Ich spürte dennoch eine unglaubliche Erleichterung, als wir diesen Lärm nun etwas hinter uns lassen konnten, doch wir fuhren nicht weit. In einem Stück eingezäumter Wiese waren gerade ein paar junge Leute dabei, ihre Bierflaschen einzusammeln um ins Haus zu gehen. Wir fragten, ob jemand englisch spreche und eine junge Frau gab gleich auf tschechisch zu verstehen, dass sie ein wenig spreche.
Wir erklärten mit Händen und Füssen unser Anliegen, worauf sie uns ohne nachzudenken in ihren Garten führte. Wir durften das Zelt aufstellen und sie brachte sogar Bier.
Ihr Englisch beschränkte sich auf ein paar Schlagwörter (friends, home, baby), doch mit einem tschechisch-russisch-englischem Gemisch entstand eine witzige Unterhaltung. Monika, so hiess sie, war sehr interessiert daran mit uns zu sprechen.
Wir erfuhren, dass sie 22 Jahre alt sei, aus Pratislawa (Slowakei) komme und bereits einen 3 Monate alten Sohn habe.
Mehrere Male wies sie uns an diesem Abend darauf hin, unsere Fahrräder auch wirklich abzuschliessen und die wertvollen Sachen bei uns zu tragen. Es seinen viele Betrunkene in dieser Gegend unterwegs - der Wodka...
So stapelten wir alles Gepäck ins Vorzelt und schliefen mehr schlecht als recht, ungewaschen, klebrig, frierend... und die Züge quietschten das Gutenachtlied.

War das nun der Vorgeschmack auf Polen? Schliesslich waren wir gleich an der Grenze und Tschechien hatten wir bisher so ganz anders erlebt...
Welch dummer Gedanke, welch gemeines Vorurteil. Ich schämte mich richtig, als wir am nächsten Tag von einem wunderschönen und freundlichen Polen mit offenen Armen und mit vielen lächelnden Gesichtern empfangen wurden.
Erikas Veloführer (Polen Süd) aus den 70er Jahren wollte uns nur über gelbe und sogar rote Strassen führen. Es war von Wagen mit Pferden und viel Landwirtschaft die Rede. Wir zeichneten unseren eigenen Weg ein, über Nebenstrassen, durch Dörfer die in eine hügelige Landschaft eingebettet waren. Landwirtschaft steht hier wirklich sehr weit oben, doch sind die Felder oft sehr klein und die Leute erledigen von Hand was bei uns schon längst maschinell geschieht. Wir sahen sogar einen Pferdewagen wie bschrieben : ) Die Gärten sind überaus gepflegt und aus jedem zweiten dröhnt einem ein Rasenmäher entgegen.
Da die Strassenbeschilderung nicht mehr ganz so gut ist wie in Tschechien und unsere Karte ebenfalls nicht sehr exakt, fragten wir uns von Dorf zu Dorf durch.
Mir gefiel diese Art des Vorwärtskommens, immer in Kontakt mit den Leuten, in einem Gebiet, dass selten Touristen sieht. Dies hat natürlich zur Folge, dass es auch wenige Schlafmöglichkeiten gibt und so übernachteten wir wiederum draussen. Etwas abgelegen vom Dorf in einem Wald an einem grossen Stausee. Es war idyllisch. Nur der Fischer wollte und wollte nicht gehen, so wusch ich mich hinter einem Baum. Erika beteuerte er, dass sie sich gut im See waschen könne, das störe keineswegs beim Fischen ; )
So wusch sie sich bei seinen Fischen im Bikini, mit ihm Wodka zu trinken lehnten wir jedoch ab. Wir befürchteten, er würde dann gar nicht mehr gehen...

Bereits in Tschechien habe ich ein Stück meines Herzens gelassen, in fester Hoffnung, einmal dahin zurück zu kehren und nun hat auch Polen mein Herz im Sturm erobert...
Ich weiss, ich bin nicht das letzte Mal hier, einen anderen Gedanken würde ich gar nicht erst ertragen...

Gestern sind wir nach Krakau gefahren und traffen unerwartet auf einen sehr gepflegen Camping. Hier bleiben wir nun zwei Tage, sehen uns heute die Stadt an und fahren morgen nach Ausschitz.
Danach sagen wir dem südlichen Polen bereits Lebewohl und nehmen den Zug, rauf zu den Masuren. Die Seenplatten dort sollen fantastisch sein und da die Zeit drängt müssen wir uns entscheiden. Uns bleiben nur noch gute 4 Wochen bis Moskau.


Donnerstag, 22. Mai 2008

Brno (oder Brünn) – Erste Etappe erreicht!

Abend bei Andrea und Valentina im Studentenzimmer - In Erikas Uni (Ihr letzter Tag hier) - Brno - Im Teehaus, abtauchen in eine andere Welt (nicht wirklich tschechisch : )















Die letzte Etappe vor Brno nahmen wir in zwei Tagen.
Am einen hielt sich der Regen gnädig zurück, doch am Dienstag schien Waschtag zu sein, es schüttete was runterging. Das Thermometer sank auf 10 Grad.
Um die Mittagszeit befanden wir uns rund 10 km vor Brno, doch die Route führte einer Hauptstrasse entlang, die der Autobahn Liestal-Basel in nichts nachsteht. Lastwagen die einen das braune Wasser ins Gesicht fegen – keine sehr verlockende Vorstellung...
Erika hate die rettende Idee – wir nahmen den Zug.
Nass bis auf die Haut schlotterte ich bis die Muskeln schmerzten. In Brno suchten wir, nachdem wir uns gestärkt und ich die Wäsche gewechselt hatte, das Studentenheim, in dem Andrea (Erikas Freundin) wohnt und auch wir untergebracht werden sollten.
Alles klappte prima und am Abend gab es eine feine Bolognese alla Ändle, hmmm. Nochmals vielen Dank!!! Es waren ausserdem noch ein Russe, ein Georgier und eine Ukrainerin da, so konnte ich wieder einmal mein Russisch brauchen.
Der Georgier, David, zeichnet Bilder, wie ich sie selten gesehen habe. Die Stimmungen sind fantastisch!!!

Am nächsten Tag war mein grösstes Ziel vorzusorgen, dass ich nie mehr so frieren werde – eine neue Regenhose und ein Spray zum Imprägnieren mussten her. Ich wurde fündig, der Spray wurde auf Jacke und Regenhose auch gleich geleert und so freue ich mich auf den nächsten grossen Regen, um ihm die Stirn zu bieten (naja, muss ja nicht sofort sein : ).
Diese drei Tage taten sehr gut, mal nicht täglich duschen, nicht ständig packen (dafür herrscht im Zimmer das totale Chaos, ich verschone euch mit Fotos).
Ebenfalls genoss ich es wieder mal zu Fuss zu gehen, doch man glaubt es kaum, ich habe bereits Muskelkater von einem Tag in der Stadt!!! Zu meiner Verteidigung ist zu sagen, dass wir mindestens 15 Minuten bergauf und wieder runter mussten : ) puhh...
Nun ruft Polen, und da ich selbst über dieses Land so gut wie nichts weiss (dieser Part hat Erika übernommen) bedeutet dieser Abschnitt für mich etwas Unbekanntes, was bei mir nicht unbedingt ein gutes, ein wenig mulmiges Gefühl hervorruft.


EINSCHUB: Während ich für euch Fotos rauflud und Blog schrieb, setzte sich eine Zigeunerin mit Kind neben mich. Interessiert schienen sie meine Fotos zu betrachten. Als sie gegangen waren wurde mir von einem anderen Gast ein Handy überreicht. Etwas erstaunt führte ich es ans Ohr, als eine Frau mich auf englisch bat, ich solle doch meine Taschen kontrollieren, sie befürchte es könnte etwas fehlen. Tatsächlich, das gemeinsame Portemonnaie war weg. Naja, Glück im Unglück, weder Karten (Erika hatte heute Nachmittag ihre Kreditkarten rausgenommen) noch viel Bargeld waren drin. Doch es wird mir eine Lehre sein. Genommen haben musste es das Kind...
Nun wieder zurück..

Nun sind es noch fünf Wochen bis Russland. Wie ich mich darauf freue meine Mutter, Edith und Hanspi zu sehen!!! Seid ihr schon etwas aufgeregt? Habt ihr das Visa schon?
Morgen gehts weiter in Richtung RUSSLAND!!!


Weitere Tschechien-Fotos

Reingewaschene Rapsfelder - Märchenhafte Stimmung - Einer von vielen Hasen




Mittwoch, 21. Mai 2008

Regen im Gesicht

Česke Krumlov (Krumnau) - Blick auf See vor dem Zelt - Třebon (Eine Stadt wie eine Theaterkulisse) - Tschechische Landschaft mit verblühtem Löwenzahn










Seit wir am Sonntagmorgen aus Třebon losgefahren sind hat der Wetterumschwung ernst gemacht. Zuvor waren es bloss Neckereien gewesen, mal ein Gewitter, mal ein Schauer in der Nacht...
Der Regen setzte in der Nacht auf den Sonntag ein. Bei Einbruch des Morgens versuchten wir krampfhaft, das tropfende Geräusch auf dem Zeltdach zu ignorieren, drehten uns, ich versuchte mir selber vorzumachen, noch tief und fest zu schlafen...
Doch irgendwann war klar, es nimmt kein Ende, wir mussten aufstehen.
Na prima, ich hatte am Abend versäumt eine der Velotaschen zu schliessen. Alles wurde im Waschraum ausgebreitet, getrocknet, Erika kochte unter einem schützenden Unterstand Kaffee.
Nach einem ausgedehnten Frühstück (in der Hoffnung der Regen lasse nach) packten wir zusammen und radelten los.
Dem starken Regen hielt weder meine Fr. 300.- Gore-Tex Jacke und schon gar nicht meine 15 Jahre alte Regenhose stand, doch das spielte keine Rolle solange man in Bewegung war. Regen und Wind im Gesicht, schwerhängende Wolken und wir traten kräftig in die Pedale.
Nach zwei Wochen strahlender Sonne, da wollte keine von uns beim ersten Regentag schon meckern.
Je länger wir so fuhren, desto mehr spürte ich ein Gefühl einer tiefen Verbundenheit mit der Natur, die wie das Leben selbst nicht nur Sonnentag kennt. Die Gedanken wurden vom Regen weggewaschen und wir traten weiter in die Pedale, wortlos, ergeben.
Nur bloss nicht zu lange rasten, immer gleich weiter, denn einsetzende Kälte würde alles zerstören, ergreift sie dich ist es zu Ende mit dem übermütigen Trotzen..
Doch da wäre dann noch der Hunger. Nach dreieinhalb Stunden konnte dieser unmöglich weiter ignoriert werden, nach drei weiteren Dörfern fanden wir ein Gasthaus.
Ich schälte mich aus meinen klebenden Kleidern, rang meine Socken aus und zog mich um. Jedes Geländer, jede Heizung wurde zum Wäscheständer umfunktioniert.
Eine Suppe wollten wir eigentlich, doch als der Koch Wildschweinspiess mit Kartoffeln erwähnte glänzten unsere Augen.
Wildschwein – Premiere für uns beide. Wir waren begeistert!!!
Frisch gestärkt und aufgewärmt stellten wir erfreut fest, es hatte fast vollständig aufgehört zu regnen..
Weiter ging unsere Fahrt, die Felder schienen nun noch saftiger, die frisch gewaschenen Felder gelber Senfblumen dufteten und strahlten noch stärker.
An diesem Tag fuhren wir trotz einiger Höhenmeter über 100 km.
Erschöpft suchten wir nach acht Uhr eine Unterkunft, was sich als schwieriger herausstellte als gedacht. Doch schlussendlich übernachteten wir für sehr wenig Geld in einem brüchigen, relativ schmutzigen Gebäude, doch das war uns soooo egal...
Wir kochten im Zimmer und fielen in einen bleiernen Schlaf. Noch zwei Tage bis Brno.

Samstag, 17. Mai 2008

Jegliches Zeitgefühl verloren

Tschechische Grenze bei Heidemühle - Tschechische Landschaften
















Sind es nun zwei oder drei Tage, seit wir bei Heidemühle erwartungsvoll über die tschechische Grenze rollten... ist heute Donnerstag, Freitag... oder doch erst Mittwoch... Egal, solche Fragen haben höchstens eine gewisse Bedeutung, wenn es ums Einkaufen geht - dann ist es wichtig ob Freitag oder Samstag ist, denn die Läden schliessen Samstags schon um 12 Uhr. Das mussten wir auch heute wieder mal merken... (Nun gibts halt Currygeschnetzeltes ohne das Geschnetzelte : (
Zwei Wochen sind wir nun schon unterwegs, doch durch die vielen Eindrücke und Begegnungen kommt es mir vor, als sei es schon eine Ewigkeit her, seit wir losfuhren.
Und im Tirol, in Bayern, (natürlich auch schon in der Schweiz) dachte ich immer wieder, diese Landschaft kann in ihrer Schönheit nun wirklich nicht mehr übertroffen werden, doch Tag für Tag werden wir aufs Neue in Staunen und Begeisterung versetzt.
Mein Handy verbindet mich mit dem Leben zu Hause, was ich sehr geniesse und auch brauche, denn obwohl man so viel erlebt, packt mich doch immer wieder die "Langezeit".. Erika ist da anders, sie hat ihres nach Hause geschickt und verzichtet auch konsequent auf das Benutzen meines Telefons, obwohl ich es ihr mehrfach angeboten habe.

Aber nun endlich zu Tschechien - meine lieben Herren vom Braunauer Zeltplatz, wo bitte seid ihr durchgefahren, wo war es so schlimm wie ihr geschildert habt???
Welche Überraschung, lauter beschilderte Fahrradwege, Strassen wie Babyhaut über die man geradezu fliegt...
Auch wenn man nicht auf markierten Velorouten fährt sind die Nebenstrassen eine sehr gute Alternative. Wenig Verkehr und schnelles Vorwärtskommen auf den guten Strassen. Die relativ kurze Begegnung mit einer Hauptstrasse war allerdings die Härte. Kommt dir ein Lastwagen entgegen, jagt dich dessen Fahrtwind fast von den Rädern, doch zum Glück können wir solchen Routen meist aus dem Weg gehen.
Zwei Städtchen haben wir bisher besichtigt, Česky Krumlov (Krumnau) und Trebon. Eines schöner als das andere... Durch den Krieg und die darauf folgende Armut wurde das Bauen modernerer Gebäude verhindert, was sich die Leute nun zu Nutzen gemacht haben. Das schöne und gemütliche Stadtbild zieht viele Touristen an.
Allgemein hat es viele Fahrradtouristen, Deutsche und Tschechen. Gewöhnlich werden die Velos aber auf die Autos oder in die Camper geladen und Tagesausflüge gemacht.
Heute genoss ich den velofreien Tag in Trebon, plegerte rum, schrieb Karten und liess mich in einem gemütlichen Strassenkaffee von der Sonne bescheinen.. was will man mehr? (Nun gut, etwas wüsste ich schon ... : )

Dienstag, 13. Mai 2008

Bald wirds ernst...

Innsbruck, mein Rad im Tirol, Erika meint der See sei schön warm, Zelt aufstellen (Ämtchen sind verteilt), schöner Garten vor Passau



Bisher wars ja wirklich "schoggi"... immer fand man einen Camping oder eine Herberge, konnte schon am Morgen auf der Karte schauen, wo man am Abend übernachten könnte...Doch bald stechen wir nach Tschechien rauf, wenn auch noch nicht ganz klar ist wo. Anscheinend steht zwischen Passau und Tschechien so ein blöder Berg im Wege...
Gestern übernachteten wir auf einem Camping in Braunau, das war echt der Hammer.Wir wurden schon überaus freundlich empfangen und als wir gerade alles aufgestellt hatten und in die Stadt wollten, wurden wir eingeladen zum Buffet-leer-essen... anscheinend war vor uns eine Gruppe da, die ein Buffet bestellt hatte. Wow, war das lecker!!! Wir füllten unsere Teller mit Knödeln, viel Fleisch, Teigwaren... ein Traum. Dazu gabs einen viertel Weisswein woraus drei wurden, da der Chef überaus spendierfreudig war, alles ablehnen half nichts.Dazu gabs gratis Schauermärchen über Tschechien... abgeschreckt wurden wir trotzdem nicht, im Gegenteil, wir brennen darauf nach Tschechien zu kommen und uns davon zu überzeugen, dass dort eben auch nur Menschen leben.
Zwischendurch, wenn wir schon eine Weile unterwegs sind werden die Stöpsel montiert und wir hören Musik. Meine Schwester Sabine hat mir ein solch kleines Ding mit über 400 Liedern zum Abschied mitgegeben. Nochmals vielen Dank!!! Es ist einfach genial wenn man auf einer geraden Strecke fährt und dazu gute Musik hört. Das Gefühl ist kaum zu beschreiben, aber man kommt wie in eine Art Trance, spürt nichts mehr, nimmt Steigungen mit links und fährt und fährt, ein Gefühl als könnte man ewig so weitertreten. Das Fahrrad, die Musik, rechts der Fluss und der Wind...
Die letzten Tage waren landschaftsmässig wieder wunderschön und abwechslungsreich. Wir fuhren immer wieder durch Auwälder, über Wiesen und Felder an wunderschönen Bauernhäusern und unglaublich gepflegten Gärten vorbei. Erika badete sogar schon in einem See und konnte es fast nicht begreifen, warum ich mir das entgehen liess... aber Mami weiss, ohne mindestens zwei Irishcoffees intus geht bei mir gar nichts : )
Auf unserer Reise werden wir extrem oft auf unser Gepäck und unser Vorhaben angesprochen. Mittlerweie ist unsere Antwort auf die Frage nach dem Ziel meistens nur noch "Richtung Osten", da "Moskau" immer eine riesige Sache auslöst und man kaum noch weg kommt vor lauter Fragen. Die Reaktionen der Leute sind auch sehr unterschiedlich.Einige reagieren mit einem Kopfschütteln, andere interessieren sich sehr, können sich aber so was nicht vorstellen und bei wieder anderen spürt man eine gewisse Sehnsucht...
Immer wieder treffen wir Leute, die auf dem Jakobsweg nach Santiago di Campostella fahren, diesen Weg schon gefahren sind oder es noch vorhaben. Sabina, das wär doch was mit dem Fahrrad, zu Fuss mit dem schweren Rucksack sieht es viel zu anstrengend aus : )
Brno in Tschechien ist unser nächstes grösseres Ziel. Wie lange wir wohl dafür brauchen werden? Ich bin gespannt auf Andrea, von der ich schon sehr viel gehört habe und die wir dort besuchen werden.

Samstag, 10. Mai 2008

Von fliegenden Hunden, fliegenden Erikas und fliegenden ID´s

Kampf mit dem Schnee im Engadin, Landschaft im Engadin, im Tirol

Auf meiner Reise kann mir ja wirklich nichts mehr passieren. Ich besitze Pfefferspray, Dolch und ganz wichtig… einen fliegenden Schutzengelhund.
Schon von verschiedenen Seiten wurde dieser kleine Kerl mit der Punkfrisur und den silbrigen Flügelchen belächelt, doch während Erika das Fliegen jeweils selber übernimmt (und zwar nicht gerade sanft), lotst mich mein Schutzengelhund an fiesen Pfosten mitten im Weg sicher vorbei…
Rückspiegel haben aber auch wirklich etwas heimtückisches an sich, denn genau als Erika voller Freude in diesen hineinsah und feststellte, dass er echt funktioniert, machte sie einen Überschlag.
Zum Glück ging alles glimpflich aus (übrigens Clizia, das geschah etwa 3 Minuten nachdem du uns verlassen hattest).

Unsere Reise führte uns von Chur aus noch über einige kleinere Hindernisse (Berge) ins Engadin. Hier trafen wir doch tatsächlich noch auf Schnee und mussten ab und zu sogar unsere Räder schieben. Obwohl die Strecke unerwartet anstrengend war, (der Inn scheint mal rauf, mal runter zu fliessen), konnte Erika nicht entmutigt werden. Kaum war sie wieder keuchend oben angelangt, schwärmte sie bereits wieder strahlend von der „Glatscheria“ in Scuol. Ich hätte schon fast eine „Strichliste“ führen sollen: Wie oft kam heute das Wort „Glatscheria“ vor.
Der Tag war gerettet, als diese dann auch wirklich offen hatte… (meine grösste heimliche Sorge).
Begleitet wurden wir von Chur bis anfangs Österreich von Clizia, einer aufgestellten Churerin, die im letzten Jahr ebenfalls eine Woche durch Russland, einige Wochen durch die Mongolei und anschliessend noch durch China gefahren war. Wir liessen sie beide nur ungern abreisen.

Vor Österreich hatten wir allerdings noch ein kleineres Problem. Erikas ID fehlte.
Alles wurde ausgepackt, alle Winkel durchsucht, Täschchen in Täschchen, in Täschchen… und doch keine Spur…
Ein Anruf zu Hause brachte Klarheit. Sie musste aus dem Stapel mit wichtigen Dokumenten herausgerutscht sein und lag unter einem Stuhl.
Eine Notübergangsberechtigung wurde gelöst und die ID nach Kufstein nachgeschickt. Nun haben wir alles zusammen, so dass es morgen nach Deutschland weitergehen kann (ich freue mich schon sehr auf die bayrischen Bäckereien).
Überhaupt ernähren wir uns sehr gut, kaufen Fleisch und Gemüse und bruzeln uns stets etwas leckeres.
Heute geniessen wir einen Velofreien Tag in Kufstein, morgen geht’s weiter nach Deutschland.

Sonntag, 4. Mai 2008

Abschied-Oberalppass-Ausblick auf Graubünden-"Runter" nach Chur
Maiensäss

Mein Traum beginnt...

Gerade war ich noch zu Hause, war voll drin in meinem Leben.
Gemütlich, schön, einfach, mit Mikrowelle und Waschmaschine, Auto vor dem Haus und, und, und...
Der Abschied war schwer und ich begriff mich selber nicht, weshalb ich mir das antue und trotzdem...
Natürlich ist das Planen und Träumen im Vorfeld einfach, doch plötzlich geht’s zu schnell, Zweifel, Ängste... das Loslassen ist schwer doch das Nomadenleben ruft.
Viele träumen ein Leben lang, so eine Schulkollegin die schon seit der Primarschule davon spricht nach Australien zu fliegen. Sie besitzt Bücher, Bilder... und sie träumt noch immer. Nun gut, ich bin nun einmal gestartet meinen Traum zu verwirklichen... ob ich danach glücklicher bin? Wir werden sehen...

Los fuhr ich am 2. Mai 2008. In Begleitung meiner Mutter machten wir noch einen Abstecher zu guten Freunden, von denen ich mich unbedingt noch verabschieden wollte, danach kam bereits der erste Pass (der untere Hauenstein J). Bereits in Trimbach gab’s den ersten Halt. Ich musste für vorne grössere Taschen kaufen, es war einfach alles zu eng.

Nun mussten wir kräftig strampeln, denn wir sollten um 16.00 in Luzern sein, wo ich meine Reisepartnerin (Erika) treffen wollte. Danach ging’s ans erste Etappenziel nach Buochs auf den Campingplatz. Meine Eltern und zwei Freunde haben dort einen Wohnwagen und so traf sich nochmals die ganze Familie zu einem Abschiedsessen.
Sabine und Edith, vielen Dank fürs Kochen!!!

Am nächsten Morgen fuhren Erika und ich alleine weiter. Allerdings legten wir den ersten Teil bis Flüehlen mit dem Schiff zurück. Ein sanfter Einstieg doch umso happiger ging’s weiter. Die Strecke bis Flüehlen brachte uns mit dem vielen Gepäck recht ins Schwitzen...
Da der Oberalppass noch geschlossen ist (puuuuh), mussten wir den Zug nehmen...
Nach 20.00 trafen wir auf einem Zeltplatz in Trun ein und kochten bereits im Halbdunkeln ein Festessen (Safranrissotto und Cervelats).
Am nächsten Tag sollte es ja locker runter nach Chur gehen, doch wir sollten eines Besseren belehrt werden...

Tja, die Hauptstrasse nach Chur ginge tatsächlich immer schön runter, doch wir folgten dem Veloweg 2, der oft über unbefestigte Strassen führte und uns nicht wenige Höhenmeter und einige echt knackige Steigungen bescherte.
Eine war echt zuviel... die Steigung war so steil, dass ich es nicht bis oben schaffte und mein Versuch, das Fahrrad hochzuschieben, misslang kläglichL... Verloren hing ich am Hang, bis Erika mir zu Hilfe kam (leider sind alle Muskeln in meinen „Wädli“, so dass nichts mehr für meine Arme übrig bleibt...).
Trotzdem, die Strecke lohnte sich, traumhaft, sehr empfehlenswert...
Später als geplant kamen wir in Chur an, wo wir nach einem Panini caldo von Erikas Freundin Sereina mit einem besonders leckeren Eiskaffee verwöhnt wurden.
Vielen Dank für die geduldige Beherbergung (die Müdigkeit liess mich erstummen und Erika zu einer kichernden Schwatzbase werden J).Nun gehen wir noch auf ein Bier in die Stadt und geniessen den Abend, morgen steht uns wiederum eine harte Etappe bevor.