
















Seit wir am Sonntagmorgen aus Třebon losgefahren sind hat der Wetterumschwung ernst gemacht. Zuvor waren es bloss Neckereien gewesen, mal ein Gewitter, mal ein Schauer in der Nacht...
Der Regen setzte in der Nacht auf den Sonntag ein. Bei Einbruch des Morgens versuchten wir krampfhaft, das tropfende Geräusch auf dem Zeltdach zu ignorieren, drehten uns, ich versuchte mir selber vorzumachen, noch tief und fest zu schlafen...
Doch irgendwann war klar, es nimmt kein Ende, wir mussten aufstehen.
Na prima, ich hatte am Abend versäumt eine der Velotaschen zu schliessen. Alles wurde im Waschraum ausgebreitet, getrocknet, Erika kochte unter einem schützenden Unterstand Kaffee.
Nach einem ausgedehnten Frühstück (in der Hoffnung der Regen lasse nach) packten wir zusammen und radelten los.
Dem starken Regen hielt weder meine Fr. 300.- Gore-Tex Jacke und schon gar nicht meine 15 Jahre alte Regenhose stand, doch das spielte keine Rolle solange man in Bewegung war. Regen und Wind im Gesicht, schwerhängende Wolken und wir traten kräftig in die Pedale.
Nach zwei Wochen strahlender Sonne, da wollte keine von uns beim ersten Regentag schon meckern.
Je länger wir so fuhren, desto mehr spürte ich ein Gefühl einer tiefen Verbundenheit mit der Natur, die wie das Leben selbst nicht nur Sonnentag kennt. Die Gedanken wurden vom Regen weggewaschen und wir traten weiter in die Pedale, wortlos, ergeben.
Nur bloss nicht zu lange rasten, immer gleich weiter, denn einsetzende Kälte würde alles zerstören, ergreift sie dich ist es zu Ende mit dem übermütigen Trotzen..
Doch da wäre dann noch der Hunger. Nach dreieinhalb Stunden konnte dieser unmöglich weiter ignoriert werden, nach drei weiteren Dörfern fanden wir ein Gasthaus.
Ich schälte mich aus meinen klebenden Kleidern, rang meine Socken aus und zog mich um. Jedes Geländer, jede Heizung wurde zum Wäscheständer umfunktioniert.
Eine Suppe wollten wir eigentlich, doch als der Koch Wildschweinspiess mit Kartoffeln erwähnte glänzten unsere Augen.
Wildschwein – Premiere für uns beide. Wir waren begeistert!!!
Frisch gestärkt und aufgewärmt stellten wir erfreut fest, es hatte fast vollständig aufgehört zu regnen..
Weiter ging unsere Fahrt, die Felder schienen nun noch saftiger, die frisch gewaschenen Felder gelber Senfblumen dufteten und strahlten noch stärker.
An diesem Tag fuhren wir trotz einiger Höhenmeter über 100 km.
Erschöpft suchten wir nach acht Uhr eine Unterkunft, was sich als schwieriger herausstellte als gedacht. Doch schlussendlich übernachteten wir für sehr wenig Geld in einem brüchigen, relativ schmutzigen Gebäude, doch das war uns soooo egal...
Wir kochten im Zimmer und fielen in einen bleiernen Schlaf. Noch zwei Tage bis Brno.


