Sonntag, 29. Juni 2008

Abendteuerliche Zugfahrt...

Dass ich so schnell wieder zu Internet komme, haette ich nicht gedacht, doch so muss ich unbedingt die Erlebnisse unserer Zugreise loswerden...
Als der Zug die Tueren oeffnete versuchte ich gleich mit dem Fahrrad ins Abteil zu kommen. Da ich eine Frau bin und vielleicht etwas hilflos ausgesehen habe, wurde mir auch gleich geholfen : )
Das Fahrrad passte aber hinten und vorne nicht ins Gepaeckabteil im Coupe, doch da man uns gesagt hatte, wir haetten eines fuer uns alleine, luden wir sie auf die oberen Sitze.
Ploetzlich erfuhren wir mit Schrecken, dass wir eben doch nicht alleine reisten und eine hysterische Ehefrau, deren Mann in unser Abteil wollte, sagte uns alle Schande. Erika liess es relativ kalt, sie verstand ja nichts ; ) Ich hingegen kam langsam an meine Grenzen als das Zugpersonal und etwa vier Leute vor unserem Abteil standen, die Koepfe schuettelten und etwas schimpften. So stand ich einfach mal etwas abseits, lehnte die Stirn gegen die Wand, hoerte und sah nichts mehr. Der Zug fuhr endlich ab und wir waren immerhin noch drin, wie Erika es positiv formulierte. Ja, wir waren drin, aber auf unseren Betten waren die Raeder und wir hatten eine 15 stuendige Fahrt vor uns...
Die zwei Mitreisenden, beide sprachen russisch und etwas englisch, stellten sich als wahnsinnig freundlich und hilfsbereit heraus. Viktor half uns mindestens ein Bett frei zu machen und wir assen und tranken danach zusammen Tee, Brot und Kekse. Eine Bemerkung von ihm gab mir allerdings etwas zu denken, naemlich "das wird euch teuer zu stehen kommen..."
Er meinte die Grenze und es wurden Geschichten aufgetischt, wie sie mit Maschinengewehren manchmal den ganzen Zug auseinander nehmen und wirklich jeden Koffer und jede Tasche kehren. Hoffentlich nicht heute, bitte, bitte...
Als wir einfuhren stand da bereits ein beachtliches Empfangskommitee in Uniform, mit strengen Gesichtern die darauf schliessen liessen, "mit uns ist nicht zu spassen..."
Die Kontrolldame wollte gleich wissen, ob ich russisch koenne. Ein bisschen, antwortete ich mal vorsichtig.
Ich haette kein Touristenvisa, in welcher Angelegenheit ich denn nach Russland reise.
Ich tat so, als haette ich sie nicht verstanden, um Zeit zum Ueberlegen zu gewinnen... Studieren und arbeiten, fiel mir ein. Zum Glueck war es im Zug unmenschlich schwuel, so dass sie keine Lust hatte, sich weiter mit begriffsstutzigen Auslaenderinnen herumzuschlagen.
"Слава богу!" (Gott sei Dank!), liess ich leise vernehmen. Das war noch lange nicht alles... kam es von Viktor. Nun erst wurde das Gepaeck kontrolliert. Natuerlich hatten wir viel zu viel dabei, anscheinend waren nur 20kg zugelassen. Eine Dame holte mich in ein anderes Abteil und meinte, ich muesse nun alles Gepaeck zum Bahnhof bringen, um es zu waegen und nachzuzahlen. Ich schaute geschockt und das war, was sie wollte, denn darauf meinte sie... "Oder ihr koennt es im Zug zahlen." Natuerlich wollte ich es im Zug zahlen und sie schrieb auf einen Zettel: "120$. Ich machte grosse Augen. "So viel haben wir nicht!" "Oi, ich habe es in Rubel geschrieben, ich meinte 20$." "Ich habe keine Dollar, aber 120 Rubel (ca. 6 Franken) habe ich sicher!" "Ah nein, in Rubel sind es 500!" Ok. das war ein Deal, 25 Franken, dafuer Ruhe, natuerlich ohne Quittung.
So habe ich das erste Mal in meinem Leben jemanden bestochen ; )

Als diese Schreckmomente endlich vorbei waren und der Zug weiterrollte, organisierte Viktor fuer sich ein anderes Bett und ueberliess uns seines. So kam am Ende alles gut.
Lange konnte ich jedoch nicht einschlafen. Die Anspannung ueber den ganzen Tag hinweg war enorm gewesen, so lauschte ich dem regelmaessigen Rattern des Zuges und das sanfte Schaukeln wiegte mich weit nach 24 Uhr dann doch noch fuer ein paar Stunden in den Schlaf.

Nun sind wir in einer Jugendherberge im Zentrum von Moskau, konnten unsere Waesche endlich wieder mal waschen und ich freue mich unbeschreiblich, in ein paar Stunden meine Mutter und Freunde endlich wieder zu sehen!!!

Samstag, 28. Juni 2008

Und ploetzlich geht's Schlag auf Schlag

Die letzten zwei Tage waren echt nicht ohne...
Am Mittwoch entschieden wir uns bereits um 15.00 auf einem netten Camping am Meer zu bleiben und am naechsten Tag halt etwas laenger zu fahren. Aus diesem "laenger" wurden 130 km. Recht geschafft kamen wir abends in Tallinn an und wollten nur noch essen und schlafen. Den Gang zum Bahnhof schoben wir auf den naechsten Tag, wir hatten ja einen ganzen Tag Zeit... denkste!!!
Am Bahnhof merkten wir naemlich, dass der Zug nicht am Sonntagmorgen um 5 Uhr, sondern am Samstagabend um 17 Uhr faehrt, sprich nicht nur 4 Stunden sondern 16 Stunden hat... leicht verschaetzt : ) tja...
Nun wartet der Zug bereits auf den Schienen, mein Fahrrad ist verpackt (mehr oder weniger, der Lenker und der vordere Gepaecktraeger schauen noch raus) und ich hoffe schwer, dass alles klappt.
Ich bin sehr aufgeregt, weshalb ich jetzt lieber aufhoere und die Sachen einlade, horror!!!
Vielleicht dauerts nun eine Weile bis ich wieder ins Internet komme, doch in zwei Wochen werde ich euch ueber die Tour informieren, so dass ihr gleich fuer den naechsten Sommer buchen koennt : )
Bis dann!!!

Donnerstag, 26. Juni 2008

Ein Land mit Gesicht

Ein Land könnte, so glaube ich, noch so schön sein. Doch was bleibt dir davon längerfristig in Erinnerung? Die schönen Strände, Wälder, die Sonnenuntergänge? Dafür machen wir die Fotos, klar. Doch was wirklich bleibt und tief greift sind für mich die Begegnungen mit den Menschen.
Estland war bisher traumhaft, malerisch, doch seit wir einen echt lustigen Abend mit zwei Estinnen und vier Esten verbrachten, hat das Land ein ganz anderes Gesicht bekommen.
Sein Name wird künftig in meinen Ohren ganz anders klingen, viel vertrauter.

Da es an diesem Tag in Strömen regnete, fuhren wir die 70 km ohne grössere Pause durch. Alle 10 km hielt ich an, um Erika und mich mit einem Keks zu füttern. Bloss schnell weiter, bevor einen die Kälte einholt (meine teure Regenhose hielt leider nicht stand - sch... Goretex!).
Am Ende der Insel angekommen, erkundigten wir uns nach der Fähre für den nächsten Tag und gönnten uns ein Essen im Restaurant. Hmmm, war das lecker (glaube ich zumindest, denn sie hätten uns in dem Moment mit jedem warmen Essen eine Freude gemacht...).
Auf dem Camping angekommen erfuhren wir von einem Esten, dass er voll sei. Wir lachten, denn kein einziges Zelt stand weit und breit. Voll war nur die ausgebaute Windmühle und der Holzturm, in dem sich ebenfalls vier Betten befanden - allerliebst.
Das Angebot, dass sie die Mühle für uns räumen würden lehnten wir dankend ab, echte Gentlemens : ) Das Angebot für die kleine Party nahmen wir jedoch gerne an.
Essen wurde aufgetischt, jeder brachte was er hatte. Verständigungssprache war englisch, obwohl ausser Erika niemand besonders viel konnte, umso witziger...
So wird mir die angebotene Gurke auf ewig als "green saucice" (grüne Wurst) in Erinnerung bleiben ; )
Die Besitzerin, eine sehr symphatische Frau, brachte uns noch in einer 2Liter Tasse von ihrem Hausbier und obwohl es mehr oder weniger nach Hefewasser schmeckte, war es etwas ganz besonderes und wurde feierlich rumgereicht.

Als wir um 2 Uhr noch auf den Turm stiegen, um unsere Namen ins Gästebuch einzutragen und die Aussicht aufs Meer zu geniessen, war der Horizont immer noch mit einem hellen Streifen verziehrt. Ich glaube, den sieht man die ganze Nacht, denn als wir um halb acht wegen der Fähre bereits wieder aufstehen mussten, stand die Sonne schon wieder hoch am Himmel.
Nun sind wir wieder auf dem Festland und werden morgen Tallinn erreichen.

Geh wohin dein Herz dich trägt...

Kennt ihr das aufzuwachen und als erstes die Vögel zu hören, das rauschen in den Blättern, ein Hund bellt irgendwo...
Welch ein unvergleichlich freies Gefühl. Jeden Morgen bleibe ich noch eine Weile liegen, lausche noch halb im Traum, halb wach. Was wird der Tag wohl bringen? Wind, Regen, Sonne, neue Begegnungen?
Wenn man längere Zeit unterwegs ist läuft man Gefahr, das alles als Selbstverständlichkeit zu nehmen, als Alltag.
Doch manchmal wache ich auf, so wie heute Morgen und bin dankbar. Dankbar für all die Erfahrungen und voller Neugierde auf das, was noch kommen mag.
Mein Herz zieht es weiter in die Ferne, neue Gebiete zu erobern. Oder erobern sie mich? Wohl eher...
"Geh wohin dein Herz dich trägt" schrieb Susanne Tamaro.
Einfacher gesagt als getan, so zieht mich das selbe doch abends, wenn ich in meinen Schlafsack krieche oft genau in die entgegengesetzte Richtung.

Da bleibt mir nur davon zu träumen und mich auf den September zu freuen... bis mich am Morgen die Ferne wieder mit einer ungeheuren Anziehung weiter lockt und die schweren Gedanken verblassen.

Montag, 23. Juni 2008

Von Muhuanerinnen und verschollenen Holländern





Verträumte, menschenleere Küsten, Steinstrände mit violetten, gelben und weissen Blumen überwachsen, einsame Fischerböötchen, grünes Schilf im azurblauen Wasser...
Alte, knorrige Windmühlen, mächtige Leuchttürme und liebliche Holzhäuschen mit gepflegten Blumen- und Gemüsegärten. Das ist Estland.
Da wir nun doch plötzlich etwas viel Zeit hatten bis Tallinn, machten wir einen längeren Abstecher auf die Inseln Muhu und Saaremaa.
Mit der Fähre gings zuerst auf die Insel Muhu, wo wir gleich ein Inselfest miterlebten. Da wurden Sketche gezeigt und viele Lieder der Insel gesungen.
Erika liess sich von einer jungen Muhuanerin erzählen, dass sich die Inselbewohner jedes Jahr treffen würden, um alte Insellieder zu singen und Traditionen zu leben. Es war ihr unheimlich wichtig zu betonen, dass die Insel trotz der Dammverbindung zur Nachbarinsel eine eigene, richtige Insel sei...
Die orangen Mützchen und Trachten gehören ebenfalls explizit zu dieser Insel... die Holländer würds freuen.
Apropo Holländer, wir haben schon lange keine mehr gesehen... Wisst ihr vielleicht wo die alle geblieben sind???

Vom 21. - 24. Juni wird in Estland das Mittwommernachtsfest (Johannisfest) ganz gross gefeiert. Überall finden Festivals und Tanzanlässe statt.
An einem davon waren wir gestern. Es wurde getanzt, gegessen, viel getrunken und es gab ein riesiges Feuer. Ähnlich wie bei uns der Fasnachtssonntag, nur wärmer und mit einer etwas anderen Kullisse.
Ein Schaschlik (extrem feines Spiessli) habe ich mir trotz Nachtessen im Bauch gegönnt : )

Nun wird es zwei Tage regnen, doch morgen müssen wir uns trotzdem wieder auf den Weg machen. Tallinn ruft!!!

Freitag, 20. Juni 2008

Wind, Salz und eine Begegnung





So schön die Ostsee auch ist, der Wind der von dort bläst hat's in sich. Bei manchen Böen bleibt das Fahrrad fast stehen und den Lenker darf man keine Sekunde loslassen..
Nachdem wir uns für die Nacht eingerichtet haben, bin ich nochmals losgefahren zu meinem ersten Leuchtturm.
Schon von weitem sah ich ihn und ein leiser Schauer lief mir über den Rücken. Seit meiner Kindheit üben diese einfachen Türme eine ungeheure Faszination, aber auch einen gewissen Grusel auf mich aus, und das, obwohl ich noch nie einen vor mir hatte.
Alleine und verlassen steht er da, mitten in wildem Gestrüpp, vor ihm das endlose Meer.
Nun sitze ich am Fusse dieses Riesen, spüre am Rücken die noch warme Mauer, die mich vor dem wütenden Wind schützt und lausche den unermüdlichen Wellen, Salz auf der Zunge...

Dienstag, 17. Juni 2008

Gastfreundschaft hoch zehn!!!



Welch ein Tag heute. Wohl wissend, dass es regnen sollte schliefen wir nicht im Zelt, sondern leisteten uns ein Zimmer. Natürlich regnete es dann am Morgen nicht... doch als wir los fuhren fing es langsam an : (
Nun musste man entscheiden ob man nass werden wollte vom Regen oder doch lieber vom Schwitzen... ich entschied mich für den Regen.
Der Weg war sehr anstrengend, eine Schotterpiste die einem Wellblech glich, sehr beliebt hier... und durch den Regen war das Vorwärtskommen auf dem Sand noch mühsamer. In Limbazi kehrten wir in einem Restaurant ein (so konnten wir unser trockenes Brot und den faden holländischen Scheibenkäse noch etwas ignorieren) und beschlossen statt den Schotterweg die Hauptstrasse zu nehmen, sofern sie nicht allzu stark befahren war.
Sie war fast gar nicht befahren, nur mussten wir feststellen, dass Hauptstrasse nicht gleich Asphaltstrasse ist... doch rumpelte es zum Gl
ück nur einige Kilometer.

Ziemlich müde und durchnässt kamen wir in Salacgriva an, welches kleiner war als angenommen und suchten das einzige Hotel auf.
Wegen eines Motocross-Anlasses waren alle g
ünstigen Zimmer belegt und 100 Euro würden bei weitem unser Budget sprengen...
In der nächsten Stadt war noch eines frei für 70 Franken, doch auch so viel wollten wir nur ungern ausgeben.
Die Kirchenverwalterin wimmelte uns zwar mit sichtlich schlechtem Gewissen, doch tausend Ausreden ab und so radelten wir weiter in Richtung Ainazi, zur Grenze Lettlands.
Wir fuhren an einigen Bauernhöfen vorbei und so kam ich auf die Idee, dort zu fragen. Da war nur ein kleines Problem... die Hunde.
Das Problem war dann ein gr
össeres...
Wir riefen zuerst vom Tor aus und als sich nichts tat
öffnete es Erika und ging drei Schritte rein... und da kam das Problem. Ein riesiges, zottliges Tier.
Erika rannte raus und ich versuchte erfolglos die beiden Torfl
ügel zusammen zu halten. Doch der Hund stiess es mit einem kräftigen Pfotenhieb auf und so standen wir uns gegenüber...
Der Hund war zum Glück selber ein Schisshase, blieb schön auf seiner Seite stehen und bellte. Nun standen unsere Räder dort und wir trauten uns nicht, sie zu holen. Endlich kam jemand, Platz hatten sie keinen für uns und wir suchten weiter. Kaum war das Tor wieder sicher verschlossen tat der Hund wie eine Bestie, so ein Grossmaul : )
Da entdeckten wir ein kleines Haus in Bau, ohne Fenster und Türen aber mit Dach. Wir fragten eine Frau, die gerade wegfahren wollte und sie erlaubte uns hier zu übernachten. Verstehen konnte sie es allerdings nicht.
Ans Wasser hatten wir dummerweise nicht gedacht und so fragte Erika (nach besonders langem Rufen vor dem Tor) bei den Nachbarn.

Und nun liegen wir gefüttert und glücklich in deren geheizter Stube und freuen uns, dass es draussen immer noch so furchtbar fest regnet.
Morgen soll es ja wieder besser werden und da werden wir auch dem Meer, dass wir heute von weitem sahen, etwas mehr Beachtung schenken als "Uebrigens, nur so am Rande, dort drüben sieht man das Meer" - "Aha, keine Lust zum Baden heute.."

Riga





Nach einer witzigen Busfahrt, ich unterhielt mich mit einer Musikgruppe aus St. Petersburg, fanden wir schnell die Jugi im Zentrum Rigas.
Die Reception war gleichzeitig eine Bar, es war eng, muffig, aber es herrschte eine einmalig gute Stimmung in dieser Bude.
So schleppten Erika und ich nur "kurz" das ganze Gepäck in den 4. Stock, um dann einen Campari-Orange zu geniessen.
Da wir nun schon ziemlich n
ördlich sind, bleibt es abends sehr lange hell, erst um 23 Uhr beginnt es langsam einzudunkeln. Von einem Zimmergenossen, einem Australier, liessen wir uns also die Stadt bei Abenddämmerung zeigen.
Er interessierte sich sehr f
ür Architektur, weshalb Erika lange auf ihren ersehnten Kaffee warten musste, denn er zeigte uns beinahe jede Besonderheit der Stadt... und es gibt unglaublich viele Besonderheiten : ) Nein, war echt super, allein achtet man viele Dinge oft gar nicht..

Meinen freien Tag verbrachte ich zu einem grossen Teil damit, eine g
ünstige Unterkunft für St. Petersburg zu finden.
Resultat: Kleine Wohnung mit Kochgelegenheit und Bad f
ür 100 Euro die Nacht. Wir sind 5 Personen, also echt der Hammer.
Ein Hotel kostet oft 200 Euro und mehr pro Nacht und Person..

Jetzt sind wir bereits auf dem Weg nach Estland und vor die Herausforderung gestellt, mit einer 500tausender Karte und einem recht lausigen F
ührer die Wege zu finden.. Durchfragen ist angesagt. Zum Glück können in Lettland wirklich so gut wie alle russisch, Jung und Alt, denn über 30 Prozent sind Russen, welche oft kein Lettisch sprechen, so hört man auch auf der Strasse auch sehr oft russisch.


Dienstag, 10. Juni 2008

Tiere






Schlafplaetze






Stell dich drauf ein - dich auf nichts einzustellen...





Zwar ist auf der Karte ein Camping oder zumindest ein Biwakfeld eingezeichnet, doch wenn du (wieder mal später als geplant) müde und hungrig ankommst, ist von einem Platz mit erhofftem WC und Dusche keine Spur.
So ging es uns mehrere Male, doch da sich immer ein See vor der "Zelttüre" befand, war das Waschen ja weiter kein Problem.
Gestern war es eine kleine Halbinsel mitten in einem grösseren Ort, die wir mit der Dorfjugend (Samstagabend) teilen durften. Ich schlief dank Ohrenpfropfen wunderbar, Erika hielt Wache... die Arme...

Auf dem Weg dorthin fuhren wir die letzten ca. 15 km durch Wald, über knifflige Sandwege und wehe du musstest vom Rad steigen, da lauerten schon hunderte kleine blutrünstige Monster - deshalb - immer gleich weiter, nur nicht stehen bleiben... Bis wir mitten im Wald auf eine Abschrankung und ein oranges Männchen trafen. Nein, hier gäbe es im Moment kein Durchkommen... und die Mücken hatten ihre Freude. Erst wollte ich mich nicht so einfach abspeisen lassen und protestierte heftig. Als dann aber ein Ralleyauto mit etwa 120 Sachen vorbeiraste und den Wald in eine Staubwolke hüllte, so dass man sich nicht zu atmen traute, da hielt ich geschlagen den Mund.
Nach einigem Hin- und Her, memmenhaftem Einsprayen mit Antibrumm und 40 Minuten später, konnten wir endlich weiter fahren.

Heute freute ich mich auf einen Tag ausspannen in Elk, um morgen mit dem Zug nach Riga zu fahren.
"Zug nach Riga? Haben wir nicht!"
"Aber wie kommen wir denn dort hin?"
"Weiss ich nicht!"
"Vielleicht mit dem Autobus?"
"Weiss ich nicht und die nehmen keine Fahrräder mit!"
"Herzlichen Dank für ihre Bemühungen ; )"

Die Infodame für Autobussfahrten lachte nur. "Ihr habt ein Problem? Das ist normal in Polen.."
Der Bus nahm uns dann doch mit, allerdings kamen wir heute nur näher an die Grenze ran, morgen werden wir sie überqueren, um von dort weiter zu schauen. Die Zeit läuft uns davon...

---------

Wir sind in Litauen angekommen und werden heute einen Bus nach Riga nehmen. 5 Stunden Fahrzeit für gut 25 Franken...
Die Nacht haben wir seit Tschechien das erste Mal wieder in einem Hotel verbracht. Ich war gespannt mich wieder mal im Spiegel zu sehen.. naja, wäre dann doch nicht so nötig gewesen, denn ich verbrachte einige Zeit damit, mir lästige Haare zu entfernen. Ist das Leben schön ohne Spiegel ; )

Donnerstag, 5. Juni 2008

Die Masuren






Normalerweise schätzt man es ja nicht besonders, wenn einem jemand in den Rücken fällt, anders wenn es sich dabei um den Wind handelt.Schon auf der Zugfahrt in den Norden Polens bekamen wir eine Ahnung von unserem zukünftigen Helfer, denn der Wind soll, so stand es im Masurenführer, immer von Westen kommen, perfekt. Na ja, dieses Jahr scheint er mal eine Ausnahme zu machen. Nervenaufreibend, wenn du dich mit nur 18km\h einen Hügel runterquälst. Wenigstens sind die LKW's mehrheitlich auf unserer Seite. Hörst du von hinten einen heranbrausen, dann heisst es einen Gang strenger schalten und mit dem Sog des Ungestüms mitreissen lassen, immer schön positiv bleiben.. Ausserdem, wenn ich an das Wetter denke, das anscheinend in der Schweiz herrscht, dann bin ich gleich wieder sehr zufrieden. Bei uns scheint Tag für Tag die Sonne, kaum zu glauben wie wenige Regentage wir bisher hatten...Es eilt aber auch nicht mit dem Ausprobieren meiner neuen Regenhose : )Wir befinden uns auch höchst selten auf stark befahrenen Strassen, meist sind es Nebenstrassen die duch Wald, über Felder, und an kleinen Bauerndörfern vorbei führen, in denen oft aus Storchennestern die Jungen rausschauen und ihre Schnäbel gierig den Eltern entgegenstrecken. Und immer wieder taucht auf der einen oder anderen Seite ein glitzerndes, tiefblaues Seelein auf. Sowohl Mittagsrast als auch das Nachtlager ist also stets mit Blick auf Fischerboote, Schwanenfamilien, inklusive Froschkonzert im Hintergrund. Allerdings mussten wir unseren hübsch ausgewählten Stegplatz am Mittag auch schon räumen, weil zwei Schwäne fauchend was zu Essen verlangten. Hätten sie höflich gefragt, hätten sie bestimmt auch was bekommen ; )Hier in Polen sind einige Strassen ein echtes Abenteuer... Du kannst wählen zwischen Kopfsteinpflaster links - und damit sind nicht die schön gleichmässigen Granitsteine gemeint sondern runde, spitzige, grosse, kleine... - oder Sandweg rechts. Keines ist eine gute Alternative zum anderen, so wechselt man immer mal ab. Das Tempo reduziert sich auf 6 - 8 Stundenkilometer (ohne Steigungen). Die Dörfchen die an diesen Strassen liegen, scheinen noch viel verträumter, doch ich bin überzeugt, dass diese Wege schon bald eine dicke Schicht Teer abbekommen werden. Deshalb seh ich es als ein Privileg, das noch erlebt zu haben. Allerdings kommt nun noch ein grosser Teil solcher Strassen, vielleicht nehm ichs dann wieder zurück : )Als wir gestern Abend nach einem Camping suchten, trafen wir 4 deutsche Radwanderer und verbrachten einen echt witzigen und abwechslungsreichen Abend. Als die Sonne unterging wurde Feuer gemacht, unser erstes auf dieser Reise. Die Hitze des Feuers vertrieb dann auch die lästigen Mücken. Beim Frühstück wars "etwas" ruhiger als am Abend - brummende Schädel??Nun gehts zur grossen masurischen Seenplatte, danach schon bald nach Lettland, doch ich komm zurück, ganz bestimmt...

Tage in Krakau






Krakau ist hübsch, allerdings habe ich schon schönere und weniger überteuerte Städtchen gesehen. Doch mit jedem Schritt den man vom Zentrum weggeht, wird auch der Kaffee günstiger.

Auschwitz - schon der Name hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack...
Bereits nach dem ersten Ausstellungsgebäude - es ging dort darum, was man dem polnischen Volk angetan hat - überlegte ich mir, ob ich mir das wirklich anschauen wolle, anschauen könne...
Ein Foto setzte sich in meinem Kopf fest, brannte sich regelrecht ein und liess mich nicht mehr los... auch jetzt, da ich im Zug sitze. Immer sehe ich wieder diese Gesichter, die Fassungslosigkeit und Verzweiflung die sich darin spiegelte...
Ich trat ans Fenster der Baracke, schloss die Augen und spürte den Wind auf meinem Gesicht, roch den Frühling und war dankbar. Dankbar als Besucherin hier zu sein und danach wieder durchs Tor rausgehen zu können, auf dem zynischerweise stand "Arbeit macht frei".
Rausgehen und vergessen...