Donnerstag, 5. Juni 2008

Die Masuren






Normalerweise schätzt man es ja nicht besonders, wenn einem jemand in den Rücken fällt, anders wenn es sich dabei um den Wind handelt.Schon auf der Zugfahrt in den Norden Polens bekamen wir eine Ahnung von unserem zukünftigen Helfer, denn der Wind soll, so stand es im Masurenführer, immer von Westen kommen, perfekt. Na ja, dieses Jahr scheint er mal eine Ausnahme zu machen. Nervenaufreibend, wenn du dich mit nur 18km\h einen Hügel runterquälst. Wenigstens sind die LKW's mehrheitlich auf unserer Seite. Hörst du von hinten einen heranbrausen, dann heisst es einen Gang strenger schalten und mit dem Sog des Ungestüms mitreissen lassen, immer schön positiv bleiben.. Ausserdem, wenn ich an das Wetter denke, das anscheinend in der Schweiz herrscht, dann bin ich gleich wieder sehr zufrieden. Bei uns scheint Tag für Tag die Sonne, kaum zu glauben wie wenige Regentage wir bisher hatten...Es eilt aber auch nicht mit dem Ausprobieren meiner neuen Regenhose : )Wir befinden uns auch höchst selten auf stark befahrenen Strassen, meist sind es Nebenstrassen die duch Wald, über Felder, und an kleinen Bauerndörfern vorbei führen, in denen oft aus Storchennestern die Jungen rausschauen und ihre Schnäbel gierig den Eltern entgegenstrecken. Und immer wieder taucht auf der einen oder anderen Seite ein glitzerndes, tiefblaues Seelein auf. Sowohl Mittagsrast als auch das Nachtlager ist also stets mit Blick auf Fischerboote, Schwanenfamilien, inklusive Froschkonzert im Hintergrund. Allerdings mussten wir unseren hübsch ausgewählten Stegplatz am Mittag auch schon räumen, weil zwei Schwäne fauchend was zu Essen verlangten. Hätten sie höflich gefragt, hätten sie bestimmt auch was bekommen ; )Hier in Polen sind einige Strassen ein echtes Abenteuer... Du kannst wählen zwischen Kopfsteinpflaster links - und damit sind nicht die schön gleichmässigen Granitsteine gemeint sondern runde, spitzige, grosse, kleine... - oder Sandweg rechts. Keines ist eine gute Alternative zum anderen, so wechselt man immer mal ab. Das Tempo reduziert sich auf 6 - 8 Stundenkilometer (ohne Steigungen). Die Dörfchen die an diesen Strassen liegen, scheinen noch viel verträumter, doch ich bin überzeugt, dass diese Wege schon bald eine dicke Schicht Teer abbekommen werden. Deshalb seh ich es als ein Privileg, das noch erlebt zu haben. Allerdings kommt nun noch ein grosser Teil solcher Strassen, vielleicht nehm ichs dann wieder zurück : )Als wir gestern Abend nach einem Camping suchten, trafen wir 4 deutsche Radwanderer und verbrachten einen echt witzigen und abwechslungsreichen Abend. Als die Sonne unterging wurde Feuer gemacht, unser erstes auf dieser Reise. Die Hitze des Feuers vertrieb dann auch die lästigen Mücken. Beim Frühstück wars "etwas" ruhiger als am Abend - brummende Schädel??Nun gehts zur grossen masurischen Seenplatte, danach schon bald nach Lettland, doch ich komm zurück, ganz bestimmt...